2,932 Millionen…

Liebe geneigte Leser, das ist sie, ein Parameter unseres Glücks, die Zahl der Arbeitslosen ist nach wie vor konstant unter drei Millionen. Hierfür malen sich unsere Regierenden Monat für Monat die Eier und –stöcke (immer korrekt gendern!) machttrunken wunderschön in Schwarz-Rot-Gold an. 

Und während immer noch über eine Frauenquote in den DAX-Vorständen gegackert wird (ca. 33 Posten insgesamt) florieren nach wie vor die Heilsbringer des deutschen Arbeitsmarktes. Durch die Fluren der Arbeitsagentur weht die hoffnungsvolle Botschaft der einzigartigen Möglichkeit des Einstiegs in den Ersten Arbeitsmarkt. Deshalb wird dort bereits, vermutlich von der Unternehmensberatung Roland Berger zum Spottpreis von ca. einer Millionen Euro entwickeltes Blatt (selbstverständlich auf Umweltpapier) mit den Zeitarbeitsfirmen der Region ausgegeben. Diese Worksheet – ach was, diese ultimative Liste des Lebens – ist sogar beidseitig bedruckt, also tendiert der Preis für die Erstellung wohl eher in Richtung zwei Millionen. So wurde die Beratungsleistung mit einem „telefonieren Sie die einfach durch“ marktrelevant modifiziert.

Deshalb ist es auch für mich an der Zeit, das hohe Lied auf die Zeitarbeit zu singen. Weiland gab es tatsächlich so etwas wie die Verantwortung eines Unternehmers gegenüber seinen Angestellten. Süß, oder? Aber eben auch antiquiert. Ergo: Millionen von Arbeitnehmern haben gar keinen Arbeitgeber mehr, sondern einen Zuhälter.

Hier die Personalleasing-Classics:

  • Wenn Sie sich anstrengen und bewähren, haben Sie die tolle Chance übernommen zu werden.
  • Viele mögen das, immer wieder in anderen Firmen eingesetzt zu werden, alles andere wäre ihnen zu langweilig.
  • Sie verstehen, wir müssen uns da auch absichern.
  • Wir halten uns selbstverständlich an den Mindestlohn und an den Rahmentarifvertrag.
  • Sie vergessen die hohen Lohnnebenkosten.
  • Wir sind alternativlos.
  • Sie machen das jetzt, sonst kürzen wir Ihnen die Leistungen.
  • Wenigstens haben sie nicht weniger als vom Amt. Dann können Sie das doch machen.

Ein interessantes Phänomen ist dabei zu beobachten. Hört man den Bürger und die dazugehörige Bürgerin nun über die Entlohnung des Produktionsfaktors (Begriffe wie „Kollege von der Leihfirma“ oder gar „Mensch“ wollen wir in diesem Zusammenhang meiden) diskutieren, hört man keinen Aufschrei im Sinne von „ist dieses Gehalt aber niedrig“, sondern es geht immer gegen der Ärmsten der Armen: Hartz IV-Empfänger bekommen zuviel Geld. Und schon wäre die Differenz zwischen Existenzminimum und Minilohn wieder hergestellt und Arbeit würde sich wieder lohnen.

So pendelt die Hartz IV-nahe Human Ressource zu seinem aktuellen Einsatzort und hört dabei das Wehklagen der anderen Pendler, deren Ängste und Nöte, das Ringen um den günstigsten Urlaub, die neue Einbauküche, das neue Auto und der Schaffner, der auf der Strecke Schwandorf – Regenstauf nicht wusste, auf welchem Bahnsteig der Regionalexpress nach Nürnberg in der Frankenmetropole einrollt. Gerade in solchen Situationen wird mir als Athesit wieder bewusst, welchen unglaublichen Fehler dieser Herrgott da in die Schöpfung eingebaut hat, dass er zwar die Augen schließbar gemacht hat, die Ohren aber leider nicht.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. So beginnt unser Grundgesetz. Ein eherner Grundsatz. Oder etwa nicht mehr? Ich denke, dass hier nicht nur unter den oben genannten Teilaspekt eine kranke Denkweise unserer modernen Gesellschaft greift. Nachdem dieser Artikel wohl nicht einfach ersatzlos zu streichen ist nutzen wir doch einfach die Dynamik der Sprache und definieren MENSCH marktkonform – „Rentner“, „Menschen am Rande der Gesellschaft“, „Flüchtlingsbekämpfung“, „Migranten“, „bildungsferne Schichten“, „Pflegepersonal“, „Gefährder“, „Wirtschaftsflüchtling“, …und…und..und…

Noch ist dieser Gedanke zynisch und übertrieben. Aber wie lange noch? 

In eigener Sache:

Liebe SPD, falls Euch einmal wieder so ein Sozialromantiker die Weiland durch Euch so mannigfaltig geschaffenen Möglichkeiten zum Einstieg in den Ersten Arbeitsmarkt kritisiert (Spichwort Z-Arbeit), so antwortet doch einfach mit Goethe: “…Durch fortdauernde Anhänglichkeit und Liebe wird der Diener seinem Herrn gleich, der ihn sonst nur als einen bezahlten Sklaven anzusehen berechtigt ist. Ja, diese Tugenden sind nur für den geringen Stand; er kann sie nicht entbehren, und sie kleiden ihn schön. Wer sich leicht loskaufen kann, wird so leicht versucht, sich auch auch der Erkenntlichkeit zu überheben. Ja, in diesem Sinne glaube ich behaupten zu können, dass ein Großer wohl Freunde haben, aber nicht Freund sein könne.” (gerade gefunden in “Wilhelm Meisters Lehrjahre”)

Fakten für Impfgegner

Leute, nehmt doch bitte einfach mal ein paar Fakten zur Kenntnis:

1. Beispiel  Pocken
– Letalität bei unbehandelter Erkrankung 30%
– mögliche Spätschäden bei Erkrankung Erblindung, Taubheit, Lähmungen, Hirnschäden
– Schutzimpfung entwickelt von E. Jenner (1776)

2. Beispiel Masern:
– Letalität bei Erkrankung 0,1 %
– Meningoencephalitis bei Erkrankung 0,1%, davon wiederum 30% (d.h. 0,03% aller Erkrankten) mit dauernden Spätschäden des Gehirns
– Schutzimpfung entwickelt von R. Degkwitz (1889 – 1973)

3. Beispiel  Polio
– Letalität bei Erkrankung 0,1%
– 5% bis 10% aller Infektionen mit Beteiligung des Zentralnervensystems
– 1% aller Infizierten entwickeln die gefürchtete Kinderlähmung
– Schutzimpfung entwickelt von Albert B. Sabin

Jenner, Degkwitz und Sabin waren KEINE Agenten der Pharma-Mafia, sondern allesamt engagierte Kinderärzte, die das Leid nicht mehr ansehen konnten, das diese Krankheiten verursachten. Dafür schulden wir ihnen heute noch Dank und Respekt!

Übrigens: Impfschäden im Sinne von Dauerschädigungen liegen im Bereich von 1 : 1.000.000.  Für die, die nicht so gut rechnen können: nicht zu impfen ist etwa tausend mal so gefährlich wie impfen. Lokale Entzündungsreaktionen sind übrigens keine Impfschäden, sondern bedeuten, daß das Immunsystem auf die Impfung reagiert. Das ist so gewollt, darin besteht der Sinn der Impfung.

Wer im Sinne der natürlichen Lebensweise die Möglichkeit des Impfschutzes in den Wind schlägt, sollte sich darüber Gedanken machen, ob er am Grab seines Kindes oder während er den Rollstuhl schiebt über das Wunder der natürlichen Auslese philosophieren will .. Das wäre dann nämlich die Kehrseite der Medaille.

Und noch eins an die, die meinen ¨mein Kind hatte auch die oder jene Krankheit und hat es prima überstanden¨: Einzelfälle sagen nichts über Gesamtzusammenhänge. Willkommen auf unserem Planeten. Wir haben es schon vor Jahrhunderten erfunden. Wir nennen es ¨Wissenschaft¨.

Wirtschaftsweisen Stammtisch beim Dimpflwirt : Mindestlohn

Jetzt wissen wir es also endlich: Der Mindestlohn gefährdet unser Wachstum, unser Glück, die Fülle meines Haars, die Länge meines Gliedes und das Leben unserer Kinder. Noch ehe die drei Weisen sich im Morgenland überhaupt Reisegedanken für den Dezember machen um dem Stern zu folgen sind unsere fünf Weisen bereits zur Stelle. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Die fünf Wirtschaftsweisen“) hat wie jedes Jahr den Elfenbeinturm zwischen C4-Professur und Talkshowsessel verlassen und erleuchtet uns mit seinen alles überstrahlenden Erkenntnissen.

Noch habe ich nicht begriffen, was das Gutachten mehr bringt als der normale Stammtisch beim Dimpflwirt kurz vor der Sperrstunde: “ Der Scheißmindestlohn von den Roten bringt uns noch alle um. Außerdem san die da oben in Berlin doch alles Deppen. Naja, aber des werd scho wern. Resi, bringst ma noch a Maß…“

Eine ketzerische Frage drängt sich mir auf: Warum muss dieser Sachverständigenrat, dessen Gutachten Jahr für Jahr solche gesamtgesellschaftliche Wellen schlägt, eigentlich ausschließlich aus BWL- und VWLern bestehen? Wäre für eine zukunftsweisende Analyse nicht auch ein Pädagoge und ein Theologe, optional ein Philosoph, für den Bereich „Ethik“ mit am Tisch hilfreich? Oder vielleicht ein engagierter deutscher Schriftsteller? Eine Krankenschwester? Ein Arbeitsloser? Unter der „Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ stelle ich mir zumindest mehr vor als diese Mischung aus Zahlenjonglage, Kaffeesatzlesen und der neoliberalen Abwesenheit jeglicher menschlicher Komponenten. Ich weiß, liebe transatlantische Fangemeinde, wer sowas fordert, der würde dann sogar die armen Banken aus den Hinterzimmern der Schiedsgerichte ins grelle Licht öffentlicher Gerichtsverfahren zerren.

Schalten wir zur Abschlussanalyse nochmals zum Dimpflwirt: „Also in der BILD-Zeitung steht, dass die das schon machen. Und da Kare vom Partei-Ortsverband sagts auch. Was soll mir ich da noch Gedanken macha? Außerdem geh ich doch eh net zum wählen. Die macha doch sowieso was sie wollen…“

offener Brief an die Gesellschaft

Liebe Gesellschaft, du tröge, nicht fassbare und auch im übertragenem Sinne unfassbare Masse. Es ist mal wieder an der Zeit, dass ich dir einen offenen Brief schreibe.

Liebe Gesellschaft, nachdem es dir viele Monate am breitgesessenen und wohlgenährten Gesäß vorbeigegangen ist, wie die Menschen in Syrien und in den dazugehörigen Flüchtlingscamps elend verreckt sind, kommt nun doch Bewegung in die Sache. Nachdem die ISIS nun auch zu uns herüber schwappen kann (wie soll das eigentlich funktionieren, hat dir das deine BILD auch erklärt?) gibt es nur eine Lösung: Mit flammendem Schwert dreinhauen, sprich Waffen liefern! Da reibst du dir natürlich selbstzufrieden die Hände, denn damit handelt es sich um einen einwandfreien Akt moralischer Humanität, gewürzt mit einer pfiffigen betriebswirtschaftlichen Note. Da lässt sich unter diesen Gesichtspunkt doch sicher ein Bischof finden, der diese Friedenstauben von Heckler & Koch, Kraus-Maffei und weiteren philanthropischen Einrichtungen noch segnet. Das Leben ist schön, denn jetzt konnte auch noch Corinna endlich ihren Schumi nachhause holen. Das muss das Volk schon mal ein Tränchen verdrücken…

Apropos Volk, liebe Gesellschaft – weiland galten wir als das „Volk der Dichter und Denker“. Zugegebenermaßen entstand dieses Image noch bevor wir zweimal Europa in Schutt und Asche gelegt haben, aber trotzdem bleibt uns dieser Makel haften. Warum soll das ein Makel sein, es ist doch vielmehr ein intellektuelles Qualitätssiegel? Das Wort, einst eine mächtige Waffe gegen Missstände aller Art, ist leider schon längst in den Händen einer dreisten Falschmünzerbande. Die Volksvertreter wollen die „Menschen am Rande der Gesellschaft abholen“, „ihnen die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen“ und belehren uns, das das transantlantische Bündnis für immer und ewig alternativlos sei. Dass „er als falsche Sechs die Bälle im Mittelfeld antizipiert“ ist da nur noch eine Randerscheinung…

„Hallo, ich bin der Kevin, ich bin Erzieher“, bei solchen Ansagen bist du, liebe Gesellschaft, schlagartig hellwach. Selbstverständlich jagt dir nicht „oh, ein sozial engagierter junger Mann, der erkannt hat, wie wichtig gerade die Erziehung unserer Kinder in dieser frühen Phase ist“ durch das in die BILD-Zeitung gewickelte Hirn. Deine Synapsen knallen da in eine ganz andere Richtung: „Ein männlicher Kindergärtner, so eine Birkenstock-Schwuchtel! Oder ist er hetero, also pädophil? Man liest ja soviel davon…“ Hier, Kevin, kriegst du ein Trinkgeld, ergo dein Gehalt. Mehr erwirtschaftest du leider laut Herrn Sinn vom IFO-Institut und den anderen hochangesehenen und mit reichlich Sendeplatz ausgestatteten Wirtschaftsnutten nicht. Und weil wir ja in einer Solidargemeinschaft leben, gilt das natürlich auch für Altenpfleger, Heilerzieher und Krankenschwestern. Die hätte ja alle nur was Gescheites lernen müssen…

Wer kennt den Spruch „Den menschlichen Grad einer Gesellschaft erkennt man daran, wie sie mit ihren Alten umgeht?“ Was wir einst frech, aber augenzwinkernd-liebevoll als „Komposties“ titulierten, wird wohl schon bald in deinem Selbstverständnis, liebe Gesellschaft, als revolutionärer neuer Generationenvertrag gelten: Komposties – nach dem Ausscheiden der Human Resource aus dem Leistungskreislauf wird die Humanmasse in einem finalen Akt als Biomasse seiner letzten gesellschaftlichen Verantwortung zugeführt. Das macht uns unabhängig von Putins Gas und entlastet gleichzeitig die notleidenden Energieriesen.

Belze, Belze, du gaache Wurz’n, immer bist du nur am granteln, nörgeln und lamentieren, dabei hat doch unsere Gesellschaft jede Menge Frohsinn. Gerade ian den letzten Wochenenden lieferten wir der Welt doch wieder den ultimativen Beweis, was wir doch alle für Gaudiburschen und –burschinnen sind. Das Oktoberfest ist nämlich genauso bayerisch wie München und „Bayerns bester Radiosender“, eben einfach ein bunter Schmelztiegel aus Loden, Erbrochenem, Hirschhornknopf und Pornodirndl. Warum wird dabei eigentlich der selbstverständlich volksnahe und äußerst moderate Preis für eine Maß Bier (die ja im besten Fall 0,75l vom Getränk enthält) als der einzig gültige Stimmungsparameter angesehen? Und abschließend eine kleine Frage am Rande: Warum findet sich in keiner Radioredaktion in Bayern ein Sprecher, der „Wies’n“ richtig aussprechen kann?

Liebe Gesellschaft, mach nur weiter so, schließlich bis DU Weltmeister und auch ICH bin Deutschland.

Denn wir haben ein Idol …. USA

Wieder mal was Neues von unserem geistigen Leitfaden, unserem Idol, unserem großen, nie zu erreichenden Vorbild, den Vereinigten Staaten von Amerika. Red Bull hat in den USA einen Vergleich akzeptiert und 13 Millionen Dollar Strafe gezahlt wegen nicht zutreffender Werbeversprechen. Warum? Man ahnte es zwar, aber es war eigentlich zu absurd, als dass wir blasierten Europäer es uns vorstellen könnten – Red Bull verleiht nämlich in echt gar keine Flügel! Interessant wäre, wieviele Durchschnittsamerikaner im Krankenhaus oder auf dem Friedhof landeten, weil sie sich nach dem Genuss der Kultbrause vom Dach gestürzt haben. Ja so sind sie, unsere Brüder und Schwestern über dem großen Teich – einfach vorbildlich, daran sollten wir uns wirklich endlich konsequent ein Beispiel nehmen.

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Deshalb meine Forderung, und damit gehe ich sicherlich mit unserer Regierungskoalition, wie man heute so schön und politisch korrekt sagt, d’accord: Macht doch bitte dieses unser Land einen Tick amerikanischer. Deshalb rufe ich zu Anfang auf zur fröhlichen transatlantischen Juristerei. So wie es beim Freihandelsabkommen sein wird so sollten wir unser gesundes Rechtsempfinden weiter beugen. Statt eines ordentlichen Verfahrens werden dabei Differenzen in den verschlossenen Hinterzimmern irgendwelcher Kanzleien im Schiedsgerichtsverfahren ausgekartet. Juristische Ethik? Grundrecht auf Information? Was für ein Käse, hier geht es im Zweifelsfall um Arbeitsplätze! Vielleicht bist DU der Nächste – Big Brother is watching you!

Also führen wir diese so marktkonforme Idee weiter und hören auf das „gesunde Rechtsempfinden des Volkes“. Die BILD wird das gerne journalistisch ausgereift meinungsbildend begleiten. Hinzu käme eine wunderbare interkulturelle Komponente, die selbst unsere hartnäckigen Alt-68ern vollends befriedigen würde. Der Scharia entsprechend könnten wir ja dem Dieb die Hand abhacken, dem Kinderschänder etwas anderes und ansonsten gilt selbstverständlich die Todesstrafe. Und wenn die nicht mehr hilft, müssen wir denken wie die Amerikaner und zur Abschreckung härtere Strafen fordern. Wie das dann nach der Todesstrafe gehen soll kann mir nicht mal unsere Kanzlerin, das alte Obamazäpfchen, erklären.

Es lebe die Wumme. Das war damals nach den ganzen Schulmassakern die große Diskussion, die die US-Waffenlobby ja scheinbar haushoch gewonnen hat. Mit Goethes Faust gegen ein Schnellfeuergewehr? Typisch deutsch! Es hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass besser bewaffnete Lehrer die Attentäter hätten stoppen können. So macht man das und so muss das bei uns auch funktionieren. Aber bitte vorher Bescheid sagen, wenn es los geht, ich würde mir noch gerne ein paar Heckler & Koch-Aktien zulegen.

Kampf dem Sozialismus! Das ist einem Land der verpflichtend Krankenversicherten relativ schwer zu vermitteln. Gerade deshalb muss alles, was der Freiheit im Weg steht, gnadenlos rückgängig gemacht werden: Verbraucherschutz, soziale Gerechtigkeit, Schutz der Schwachen. Und wer braucht eigentlich schon eine Privatsphäre, schließlich hat jemand, der nichts verbrochen hat auch nichts zu verbergen. Ach ja, und diese Menschenrechte. Die sind doch im Grunde genommen auch fett schwul – unter sicherheitsrelevanten Aspekten absolut sinnlos. Statt eines pathostriefenden Pamphlets wie unserem Grundgesetz sollten wir doch endlich realistische Regeln aufstellen, die uns heute in den Kram passen. Mit kindlicher Naivität und gleichzeitig spielerischer Leichtigkeit definieren unsere Einflüsterer wer den Titel „Mensch“ führen darf und wer nicht. Wer ausscheidet, wird orange markiert, spätestens hier haben wir Deutschen die Amis schon überholt: „Guantanamo? Wir haben Tausende von Euro für unseren Kuba-Urlaub bezahlt und die kriegen das umsonst. Das ist ja wieder typisch, unsere Asylanten kriegen ja auch immer alles…“ Das ist schneidig, das ist schnittig und entspricht den Anforderungen des Marktes und verteidigt, Zitat Hans-Peter Friedrich, unser „Supergrundrecht auf Sicherheit“. Apropos – auch an unserer Außenpolitik gilt es das eine oder andere Stellschräubchen zu drehen. Deshalb immer wieder mal ein Land platt machen, gerne auch mal die Wiege der Menschheit in die Steinzeit zurückbomben und dabei immer schön den blankpolierten Sheriffstern blitzen lassen. Die USA sind eben so unglaublich, dass sie damals bereits geplant hatten, Afghanistan mit Flugzeugträgern anzugreifen.

Wenn wir uns alle anstrengen und unsere transatlantische Freundschaft endlich einmal richtig ernst nehmen, können wir schon bald so wohlhabend, gerecht und vor allem friedlich leben wie unsere Idole in Amerika.

Political Correctness für alle_innen – Prost!

Es ist doch ein interessantes Phänomen, dass eine immer härter, kälter und unsozialer werdende Gesellschaft auf den ersten Blick tatsächlich einen menschlichen Anstrich bekommt, allerdings nur einen hauchdünnen: die sogenannte Political Correctness (nachfolgend PC genannt). Leider hat das alles nicht annähernd etwas mit dem uns einst gelehrten gesunden Hausanstand zu tun. Im Gegenteil, denn handfeste, über Generationen gewachsene Regeln des menschlichen Umgangs und Zusammmenlebens werden dem Zeitgeist entsprechend durch Verbalbastarde ersetzt. Das ist die PC.

Wenn jemand brunzhaferlblöd ist, darf man das beispielsweise so nicht mehr sagen, hier stehen wunderbare Begriffe aus der PC-Welt zur Verfügung: Er oder Sie leidet dann optional an „kognitiven Dissonanzen“ und/oder stammt aus „sozial schwachen Schichten“. Apropos, wenn jemand arm ist hat sich die fleißige PC-Gemeinde etwas Schönes ausgedacht. Diese Menschen sind dann von der „Gesellschaftlichen Teilhabe“ ausgeschlossen und müssen „am Rande der Gesellschaft abgeholt“ werden. Und da sitzen sie bis heute und warten auf den gesellschaftlichen Bus. Der kommt aber nicht, weil wenn jemand arm ist „dann muss er halt was arbeiten, die faule Sau!“ Welcome PC, byebye Anstand.

Selbstverständlich gendern wir uns aktuell auch den Wolf, wir müssen unbedingt unsere Sprache anpassen, um endlich die Gleichberechtigung durchzusetzen. Wie wäre es denn eigentlich mit Umdenken, mit Gendering in den Köpfen? Nein, es reicht doch, dass es jetzt „Radfahrende“ statt „Der Radfahrer“ heißt. Und Alice Schwarzer macht Werbung für die BILD-Zeitung…

Wir schaffen das Sankt Martin-Fest ab und nennen es ab sofort „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“. Und weil der Kniefall wider dieser schönen und netten Traditionen so gut funktioniert auch gleich weg mit den Weihnachtsmärkten. Hier könnte man ja „Wintermärkte“ veranstalten. Die durch den geteilten Mantel so wunderschön veranschaulichten Werte des Mitgefühls und der Solidarität gegenüber den Schwachen sind in unserer Gesellschaft sowieso nicht mehr relevant. Somit ist die Abschaffung sogar doppelt political correct. Halloween ist allerdings davon nicht betroffen…

Eine interessante Spielart der PC erleben wir hier in Bayern. Denn ein beutelschneiderisches Massenbesäufnis, in dem der Alkoholkonsum als einzig wahre Messlatte der Gemütlichkeit und blauweißem Brauchtums gilt, wird in den Olymp nationaler Identität bei gleichzeitiger Weltoffenheit gehoben. Benetzt von den Körpersäften des Nebenmanns (und –frau!, immer PC-kompatibel gendern) schallt es political correct und bestens öffentlich-rechtlich befeuert: „Oh wie ist DAS Wies’n schön!“

Das alles ist Political Correctness. Auch hier bedarf es nicht unbedingt des Hinweises, dass die Leute, die so etwas vorschlagen und durchsetzen, dies nicht für 8,50 Euro die Stunde machen. Meine oben angedeutete Frage „wo bleibt denn eigentlich der gesunde Hausanstand?“ ist damit wohl hinfällig. Freundlicher Umgang mit den Mitmenschen? Bewusstsein, dass nicht jeder Mensch das Maximum leisten kann? Das gute Buch? Werte jenseits der Leitkulturdebatte? Solidarität mit den Schwachen, vielleicht noch auf der ganzen Welt? Das alles ist schlicht und einfach nicht mehr zeitgemäß und unserer Gesellschaft nicht zu vermitteln. Wer ist denn eigentlich diese abstrakte Masse „Gesellschaft“? Damit schließt sich der Kreis, denn „Auch DU bist Deutschland“!

Würde – ein gesellschaftliches Konjunktiv

Artikel 1 Absatz 1 des Grundgesetzes lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Süß, oder? Was einst kluge Köpfe und Köpfinnen kriegsmüde und doch hellwach ersonnen haben ist inzwischen leider in einer Gesellschaft, die „würde“ nur noch als Konjunktiv kennt, nicht mehr das Papier wert, auf das es niedergeschrieben wurde.

Ein besonders fieses Detail dieser sogenannten „Würde“ besteht darin, dass sie nicht an der Grenze Halt macht und somit für alle Menschen gilt. Und welch unheimliche Gesellen hat diese Würde dann noch im Schlepptau: Die immer verdächtig wirkende „Religionsfreiheit“ mit ihrem komischen langen Bart, diese elendig querulatorische und immer nörgelnde „Meinungsfreiheit“ und dann auch die sonderbare, introvertierte „Privatsphäre“ – das alles gefährdet doch nur unsere Sicherheit.

Ein Blick über den großen Teich lässt Stammtische, unsere Regierenden und alle so notleidenden BMW-, Audi- und Mercedesfahrer vor Neid erblassen. Spielerisch leicht und mit kindlicher Naivität interpretieren unsere Brüder und Schwestern (NICHT „Freunde“, die könnte ich mir aussuchen) genau diese Würde des Menschen.

Übrigens wäre prinzipiell auch die „Freizügigkeit“ als essenzielles Menschenrecht vorgesehen. Da fragt mal in einem beliebigen Jobcenter, was mit einem Kunden passiert, der auf dieses Grundrecht basierend feststellt „ich möchte hier leben und nicht wegen diesem Job als Kurierfahrer wegziehen“. Gibt es einen weiteren Ort, wo Menschenwürde und Realität soweit auseinanderklaffen wie in diesen öffentlichen Demütigungsanstalten? Wir waren einmal eine solidarische Gesellschaft, die inzwischen nur noch auf der Angst vor dem sozialen Abstieg basiert. „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist die Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“…

SIE HABEN POST. „ Sehr geehrter Herr Belze , leider verfangen sie sich wieder in Ihrer nicht mehr zeitgemäßen Polemik. Selbstverständlich wird die Würde des Menschen nach wie vor geachtet. Es erfolgte lediglich eine zeitgemäße Modifizierung nach marktrelevanten Parametern und sicherheitspolitischen transatlantischen Notwendigkeiten. Das Pochen auf die Würde des Menschen gefährdet Arbeitsplätze und erleichtert terrroristische Anschläge in unserem Land. Deshalb müssen wir Sie auffordern, nicht nur diesbezüglich ihre Denke zu ändern. MfG, Ihre schwarz-rote Regierung im Auftrag der Mehrheit des Volkes.“

Ich meine Denke ändern? Da habe ich aber jetzt eine Staune!

WEITER IM PROGRAMM. „Eigentum verpflichtet“, wo gibt es eigentlich noch den Unternehmer, der seine Hand über seine Leute hält, ergo ihre Würde schätzt („…der alte Kronseder, das war noch einer, der hat seine Leute gekannt und gewusst, was jeder einzelne da macht…“). Eine Millionen Arbeitnehmer in diesem Land haben schon gar keinen Arbeitgeber mehr – sie arbeiten bei Zeitarbeitsfirmen und haben somit einen Zuhälter. Wir haben kein Geld, um Lehrer und Krankenschwestern zu bezahlen, wir bezahlen aber Leute, die wöchentlich die Kranken aus der Arbeitslosenstatistik heraus rechnen (Zitat Volker Pispers). Sechs Millionen Deutsche kommen bei einer Vollzeitstelle nicht mehr über den Hartz IV-Satz. BILD-befeuert jault da der Deutsche reflexartig auf, wieso man denn diesen faulen Schweinen und Schmarotzern soviel bezahlt! So sind wir inzwischen, das Volk der Dichter und Denker, aber die Kanzlerin jubelt „Deutschland geht es gut und das ist ein Grund zur Freude“.

Wir verräumen unsere Alten, verstecken unsere Behinderten und verachten die Schwachen, wir scheitern schon an der Frage „muss denn eine Menschenwürde immer ein Geld kosten“ und spucken auf Flüchtlinge, Griechen und Andersdenkende. Wir haben alles vergessen, um was uns 70% der Weltbevölkerung beneidet. Wir haben Burn-Out und unsere Kinder ADHS, aber es geht uns gut. Wir sind gut durch „die Krise“ gekommen. Eigentlich würde das doch etwas Luft lassen, um sich einmal wieder dieser demokratischen Grundfesten zu widmen. Aber uns reicht zum Erhalt unserer Würde wenn wir nicht lange warten müssen, weil die zweite Kasse geöffnet wird, wir für 50 Euro in unser All-Incl.-Urlaubsparadies fliegen können und Geiz weiterhin geil bleibt. Genügt uns das wirklich? Ich befürchte ja.

Ich das noch menschlich? Oder ist das die neue Form brutalsten Sozialdarwinismuses? Wenn ich so darüber nachdenke fällt mir abschließend der große Dieter Hildebrand ein: „(…) dann weiß ich nicht, wo ich mir hinfassen soll, der Kopf ist mir zu schade dafür!“