Wer braucht schon Kultur …

„Deutschland ist Freiheit, Allseitigkeit und Liebe, dass sie’s nicht wissen, ändert nichts daran“ / Johann Wolfgang von Goethe /

Wieder einmal eine Weisheit unseres guten alten Herren Geheimrats, die in diesem Sinne auch in das von mir so verehrte und als verteidigenswerte Grundgesetz einfließt. Wer ist denn schon dieser Goethe? Liebe Landsleute, Goethe hieß tatsächlich Johann Wolfgang und nicht „Fack ju“. Aber genau dieser launige Filmtitel zeigt eine gefährliche Tendenz – denn im Subtext schwingt das mit, worauf der in unserer Gesellschaft so hochgelobte Axel C. Springer & Co. jahrzehntelang hingearbeitet hat – wer braucht schon so etwas wie Literatur, unabhängige Geister, vielleicht sogar eine eigene Meinung?

Liebe Mitmarschierer unter dem schwarzrotgoldenem Kreuz, ihr holden Retter des Abendlandes, weiland waren wir das Volk der Dichter und Denker. Unsere Geister der letzten beiden Jahrhunderte gehören zu Deutschland wie der Tee zu England, das Fahrrad zu Holland und das Plattieren diverser Wiegen der Menschheit zu den USA. Eigentlich doch gar nicht so schlecht, oder?

Esst mehr Bücher, es lohnt sich / Aber auch hier stoße ich wieder an die Grenzen, die einem das Pegida-beweihräucherte Deutschsein quer durch den Schädel zieht. Es ist leider so, dass weder die Biographie einer zu Ende benutzten Spielerexfrau noch die feuchten Träume einer Sparkassenfachwirtin als „Buch“ in diesem engeren Sinn zählen. Und das wars dann wohl mit meinem Apell, denn eines ist klar: Der Deutsche hat keine Zeit Langatmiges zu lesen. „Langatmig“ beginnt dann leider schon bei einem Artikel in der SZ, für den „Spiegel“ fehlt gänzlich die Zeit und eine echtes Buch – naja, vielleicht im Urlaub, aber eher nicht, denn da muss man sich ja an irgendeinem Ort im All-Incl.-Club, an dem man dem Infarkt nahe hingehetzt ist, erholen, um dann am letzten Urlaubstag wieder zurückzuhetzen.

Blicke ich auf drei meiner persönlichen Lieblingsautoren Juli Zeh, Ilija Trojanow und Hans Falada – eine streitbare Juristin mit einem brillantem Geist und Stil, ein bulgarischer Flüchtling und Virtuose der deutschen Sprache und ein morphiumsüchtiger Alkoholiker, der trotz seiner gebrochenen Biographie geniale Werke hinterlassen hat, dann weiß ich: Das ist bunt, das macht Spaß, das ist Deutschland!

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