Wirtschaftsweisen Stammtisch beim Dimpflwirt : Mindestlohn

Jetzt wissen wir es also endlich: Der Mindestlohn gefährdet unser Wachstum, unser Glück, die Fülle meines Haars, die Länge meines Gliedes und das Leben unserer Kinder. Noch ehe die drei Weisen sich im Morgenland überhaupt Reisegedanken für den Dezember machen um dem Stern zu folgen sind unsere fünf Weisen bereits zur Stelle. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung („Die fünf Wirtschaftsweisen“) hat wie jedes Jahr den Elfenbeinturm zwischen C4-Professur und Talkshowsessel verlassen und erleuchtet uns mit seinen alles überstrahlenden Erkenntnissen.

Noch habe ich nicht begriffen, was das Gutachten mehr bringt als der normale Stammtisch beim Dimpflwirt kurz vor der Sperrstunde: “ Der Scheißmindestlohn von den Roten bringt uns noch alle um. Außerdem san die da oben in Berlin doch alles Deppen. Naja, aber des werd scho wern. Resi, bringst ma noch a Maß…“

Eine ketzerische Frage drängt sich mir auf: Warum muss dieser Sachverständigenrat, dessen Gutachten Jahr für Jahr solche gesamtgesellschaftliche Wellen schlägt, eigentlich ausschließlich aus BWL- und VWLern bestehen? Wäre für eine zukunftsweisende Analyse nicht auch ein Pädagoge und ein Theologe, optional ein Philosoph, für den Bereich „Ethik“ mit am Tisch hilfreich? Oder vielleicht ein engagierter deutscher Schriftsteller? Eine Krankenschwester? Ein Arbeitsloser? Unter der „Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“ stelle ich mir zumindest mehr vor als diese Mischung aus Zahlenjonglage, Kaffeesatzlesen und der neoliberalen Abwesenheit jeglicher menschlicher Komponenten. Ich weiß, liebe transatlantische Fangemeinde, wer sowas fordert, der würde dann sogar die armen Banken aus den Hinterzimmern der Schiedsgerichte ins grelle Licht öffentlicher Gerichtsverfahren zerren.

Schalten wir zur Abschlussanalyse nochmals zum Dimpflwirt: „Also in der BILD-Zeitung steht, dass die das schon machen. Und da Kare vom Partei-Ortsverband sagts auch. Was soll mir ich da noch Gedanken macha? Außerdem geh ich doch eh net zum wählen. Die macha doch sowieso was sie wollen…“

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