Journalistisches Highlight: Die Spielerfrau Kolumne

Einst galt die Kolumne als spannende journalistische Form um pointiert und zutreffend einen Sachverhalt aus eigener Perspektive zuzuspitzen. Zumindest sollte eine Kolumne irgendwie witzig sein. Soweit die Theorie. Jetzt hat sich zum sportlichen Großereignis eine neue Version davon entwickelt. Haben wir uns über den Obdenhövel‘- /Scholl’schen Humor schon fast tot gelacht kommt jetzt die logische Fortsetzung – aber eben unfreiwillig witzig. Cathy Fischer veröffentlicht ihre WM-Kolumne (auf BILD.de). Was jetzt auf den ersten Blick wie ein eigenständiges Individuum – sogar mit eigenem Namen -anmutet, ist aber in Wirklichkeit eine ganz besondere Spezies, die ohne entsprechendes Wirtstier in entsprechender Symbiose (gesellschaftlich) nicht lebensfähig ist. Kurz: Sie ist die Freundin von Mats Hummels, ergo „Spielerfrau“.

Das epische Werk steht unter dem Motto: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie man aus einer Frucht Kakao macht“ – Liebe Cathy, das unterschreiben wir dir gerne, dass da scheinbar die kognitiven Fähigkeiten an den Grenzen angelangt sind. Stopp, Belze, gelbe Karte wegen unfairer Grätsche! Zitat: „Ich habe doch nicht mein BWL-Studium mit der Note 2,3 abgeschlossen, nur um mir einmal pro Woche die Haare für das Stadion $hübsch zu machen“. Ganz ehrlich, UNS hätte das eigentlich gereicht. Aber wer so betont sein Studium so toll abgeschlossen hat ist natürlich reif für weitgreifende makroökonomische Analysen, beispielsweise zum Thema brasilianischer Soja-Latte: „Noch besser als in Deutschland – und umgerechnet einen Euro billiger“. 

Noch einer gefällig? „Ich habe einen Reiseführer bekommen. Ich habe zwar schon einen. Aber zwei sind besser als einer. Und dann erfahre ich ja noch mehr über Brasilien.“ Der erste Reiseführer war wahrscheinlich „Wunderbares Südtirol“. Aber um das zu verstehen, muss man wahrscheinlich BWL studiert haben. Da sie als Akademikerin wissenschaftliches Arbeiten gewöhnt ist und aufgrund ihres schlauen Köpfchens auch selbst pfiffige Lösungsansätze erarbeiten kann hat sie in Sachen Jetleg eine ganz besondere Idee parat: „Buch lesen, Sport treiben oder eine Dinnerparty veranstalten“. Das alles macht mich sehr nachdenklich und damit schließt sich der Kreis – der Sinn einer Kolumne ist somit erreicht. 

Die „Spielerfrau“ bleibt also ein Archetyp: Toll gekleidet, wunderschön, hintergrundtauglich, BILD-gepusht, ansonsten mit handfester eigener Karriere: etwas modeln und dann Journalismus oder Modedesign studieren. Und nebenbei irgendwas designen – Handtaschen, Nägel, Schuhe. 

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