Das Runde muss immer noch ins eckige… Fussball 2.0

Ein Gedankenspiel: Wie erkläre ich einem Außerirdischen, der gerade frisch gelandet ist, was typisch deutsch ist? Kein Problem, einfach WM gucken! Denn typischer wie diese Reporter, Kommentatoren und Experten kann man den deutschen Michel nicht porträtieren.

Beispiele? Van Persie erzielt den Ausgleich gegen Spanien mit seinem supergeilen Fernflugkopfballheber. Der trockene Kommentar von Oli Kahn: „Naja, da haben sie es ihm aber auch sehr leicht gemacht. Und der Torwart steht auch zu weit draußen – das sind ja 15 Meter. Genau, Junge, das ist ja der Gag daran. Weiter gehts: Und dann schauen wir uns das Tor mal aus dieser Perspektive an, sieht man nichts, mal vom Hubschrauber aus, auch nichts. Wir bekommen gerade Mitteilung aus unserem Hochleistungsrechenzentrum… Moment, dauert noch eine Minute… ja, der Schnürsenkel des Abwehrspielers ragte definitiv 7 Millimeter in Richtung Tor – das war kein Abseits, hätte gelten müssen. Das muss der Schiedsrichter sehen. Urs, was sagst du…“ Hier freut sich der Außerirdische, weil er die Sprache dieses Experten als einziger verstehen kann.

Warum die Schiedsrichter den Spielern jetzt beim Freistoß die Schuhe vollsprayen entzieht sich gänzlich meiner Kenntnis. Wahrscheinlich eine EU-Norm. Und nun ein weiteres Beispiel für „typisch deutsch“: Wir haben jetzt also Freistoßmauerschaumspray, den gechipten Ball und gefühlte 10 Torrichter, die immer so aussehen, als würden sie einfach gerne öffentlich an die Torauslinie kackeln. Der Deutsche Fußballexperte weiß, da geht doch noch mehr: Der Videobeweis muss her mit zweifacher Jokerkarte pro Halbzeit für den Trainer. Ist eine solche Situation trotzdem nicht zu klären treten sofort die 6., 7. Und 8. Offiziellen, allesamt Berufsrichter, am Mittelkreis zusammen und eröffnen die Verhandlung. Sie können Zeugen laden, Mediationsvorschläge erarbeiten und Sachverständige hören. Was für ein Gewinn für den modernen Fußball. Außerdem bekommt jeder aggressive Spieler vom Schiri die graue, die „Erl-Grey-Karte“ und darf erst wieder auf das Spielfeld zurück, wenn er vom 9. Offiziellen aus China im Rahmen einer Teezeremonie seinen Baldrianaufguß geschlürft hat.
Wenn ein Spieler tatsächlich im Strafraum umgemäht wird erhält er zukünftig gerade KEINEN Strafstoß mehr, da das nicht mehr der modernen Ethik und der Reporterauffassung entspricht. Wer früher noch für Schwalben als Pussy galt und eventuell sein ganzes Leben damit zu kämpfen hatte (Andreas „Heintje“ Möller) antizipiert heute die Situation, fädelt sauber ein oder nimmt das Geschenk dankbar an. Besagter Heintje gab sich schon einst visionär, als er den Reporter in den Block diktierte: „Manchmal muss man springen, um sich zu schützen“.
Vielleicht könnte man die „Anti-Oberteil-runterreiß-Torjubelregel“ etwas ausweiten. Kein Problem, die deutsche Political Correctness hilft. Deshalb ist den Mannschaften ab der WM 2018 in Rücksichtnahme auf die religiösen Gefühle und als Fanal der Toleranz aufgelegt nur noch im Burkini aufzulaufen. Meine Damen, keine Angst, Ronaldo wird auch darin noch sexy aussehen.

Wer jetzt sagt: Belze, „jetzt spinnst aber total“ der warte einmal die nächste WM ab. Ich bin mir sicher, die Verantwortlichen haben da noch viel lustigere Ideen. Das geht dann soweit, dass man aus reiner Psychohygiene den Fernseher erst um 17:59 bzw. 20:59 Uhr einschaltet. 

Lieber Außerirdischer, hättest Du vielleicht in deinem UFO noch ein Plätzchen für mich frei? Obwohl, was immer bleibt, das ist die Tücke des Objekts, das Runde muss nach wie vor in das Eckige. Ich glaube, ich bleibe doch hier.

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