Der Mindestlohn …

Neues aus Schilda! Partystimmung in Berlin, denn der GroKo ist ein genialer Wurf gelungen. Willkommen Mindestlohn, jetzt brechen herrliche Zeiten der Gerechtigkeit und des Wohlstands an. Nun erhalten diese biomechanischen Produktionsfaktoren und wirtschaftlichen Parameter 8,50 Euro – und das in der Stunde. Und brutto, versteht sich. Ausgenommen sind natürlich Auszubildende, Praktikanten und Langzeitarbeitslose, das wäre ja noch schöner. Die Industrie jammert, Hanns-Werner Sinn und seine Expertenkollegen weinen um die Arbeitsplätze, die dadurch jetzt verloren gehen und Siegmar und seine Kumpel malen sich gegenseitig die Eier schwarz-rot-gold an.

Ein kleines Rechenbeispiel: 8,50 Euro x 40 h / Woche, das Ganze mal vier, ergibt 1.360 Euro monatlichen Bruttolohn. Da wären wir also netto bei ca. 1.000 Euro. Da jubelt der Sozialdemokrat, denn mit dieser Schweinekohle lässt es sich bestens leben, konsumieren und gleichzeitig eine kapitalgedeckte Altersvorsorge aufbauen. Herbert Wehner wäre stolz auf Euch. Kennt ihr die wundervolle Formulierung „wir fordern ein gerechteres Steuersystem und Entlastung der mittleren und unteren Einkommen?“ – hierin sind ungefähr 60 Euro Steuer enthalten, eine Steuersenkung würde also gigantische Ausmaße annehmen.

Moment, rechnet da der gewiefte Unionist gegen – wer über eine Zeitarbeitsfirma im Dreischichten-System eingesetzt ist, der bekommt ja auch noch Zulagen. Das sind dann netto ungefähr 1.200 Euro – wenn die Sonn- und Feiertags- und auch die Nachtschichten entsprechend liegen. Das ist doch wirklich traumhaft, wenn sich Leistung wieder lohnt. Was für ein Wurf, um im ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Wie definiere ich eigentlich „Arbeitsplatz“? Ein Mensch (!) geht zur Arbeit, gibt sich Mühe, ist zuverlässig und kann von seinem Gehalt zumindest auf einem einfachen Level leben, der ihm „die gesellschaftliche Teilhabe“ ermöglicht. So können unsere Politiker auch die „sozial schwachen Menschinnen und Menschen am Rande der Gesellschaft abholen“. Soweit meine sozialromantische Theorie, aktuell ist es doch eine tolle Win-Win-Situation, der Bürger arbeitet, um sich seine eigene Armut selbst zu finanzieren.

Der Mindestlohn – ein unverzichtbarer Eckstein in unserer gesellschaftlichen Angstpyramide. Der Facharbeiter hat Angst vor dem Abstieg zum Zeitarbeiter, der Zeitarbeiter fürchtet die Arbeitslosigkeit, der Arbeitslose den Fall in Hartz 4. Und der Hartz 4’ler sitzt an der Bushaltestelle und wartet, dass er von der Politik „am Rande der Gesellschaft abgeholt wird“ – und hofft natürlich dabei, dass er nicht von der BILD bei seinen dekadenten Exzessen erwischt wird.

Für diese Analyse hätte Roland Berger von der Bundesagentur für Arbeit mindestens eine Million Euro erhalten. Kein Problem, das Geld ist ja da. Man muss es nur den richtigen Leuten geben.

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