Armes altes Grundgesetz – Die Würde des Menschen

Liebes gutes altes Grundgesetz, sie können alle an Dir rumzerren, wie sie wollen, ich halte zu Dir. Ein kleiner, unscheinbarer und im Zeichen internationaler Realpolitik immer mehr ins Hintertreffen geratender Passus hat es mir angetan.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… wenn dann diese Elendszuchteln von Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch Ratings im Griechenlandurlaub keinen Starbucks finden, wo sie ihren Latte Marcchiato coffein- und laktosefrei caramellflavoured bekommen, dann ist nicht nur Polen offen. Warum können eigentlich ein paar BWL-Amöben ganze Volkswirtschaften in den Abgrund stürzen? In ihrem nichtsnutzigen Leben haben diese Arschlöcher noch nie etwas hergestellt oder für die Allgemeinheit geleistet, dürfen aber ganze Länder, die ja im Grunde genommen auch aus Millionen Menschen (mit Würde) bestehen, über Nacht einfach mal so auf „Ramschniveau“ abwerten.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… genau deshalb muss man auch auf das richtige Wording achten. Schon aufgefallen – man spricht immer von Steuersündern, nicht von die Gesellschaft schädigenden Kriminellen, wahren Asozialen, die die Allgemeinheit um Millionen prellen, nur weil sie den eigenen fetten Hals nicht voll bekommen. Frei nach dem Gassenhauer: „Wir sind doch alles kleine Sünderlein…“

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… ist denn diese olle Kamelle überhaupt noch zeitgemäß? Die Kanzlerin und ihre Vasallen schwadronieren ja immer schon von der „marktkonformen Demokratie“. Da fragt man sich doch schon mal ganz genehm, ob diesen Herrschaften vielleicht schon mal die Idee eines „demokratiekonformen Marktes“ durch die Hirnrinde geschossen ist?

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… haben denn Asoziale wirklich volle Menschenrechte? So tönt es über den Stammtischen der regierungsnahen Ortsverbände. Und wenn sich dann das Niveau irgendwo zwischen Deutschlandlied 1-3 und „So an Kloaner bräucht ma wieder“ eingependelt hat, kommt die Überlegung, doch einfach die Gettos der Asozialen niederzubrennen. Da bin ich dabei, das Bankenviertel von Frankfurt wird sicherlich eine wunderbare Illumination ergeben. Selten war „Geld verbrennen“ auch für den kleinen Mann so plausibel. Dazu Handkäs’ mit Musik und einen Bembel Äppelwoi – das ist ein menschenwürdiger Abend.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… muss denn eine Ethik immer ein Geld kosten? So sind wir, die Grenzen der Moral sind eng gesteckt und wenn einem der Anlageberater ein Prozent mehr verspricht, da muss man dann schon Prioritäten setzen.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… wann ist denn ein Mensch ein Mensch? Bisher wurde lediglich die Startphase des Lebens diskutiert, ab der Befruchtung der Eizelle, ab dem 3. Monat, ab der Geburt? Diese Diskussion verschiebt sich aber inzwischen eher unbemerkt zum Ende des Lebens hin in Richtung „wie lange ist ein Mensch ein Mensch“? Bis er als Leistungsträger ausscheidet? Bis die Krankenkassen negativ entscheiden? Oder gar bis zu seinem Tod? Also das bis zum Lebensende können wir schon einmal ausschließen, da sind sich Kassen, Heimträger und Politik einig – wer soll das bezahlen! War das jetzt erschreckend zynisch oder grausam realistisch? Ich bin mir nicht sicher…

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Aber… wir müssen unsere Kinder schließlich auf die Anforderungen unserer Gesellschaft exakt und präzise vorbereiten. Irgendeine schnittige unionsnahe Wissenschaftshure kann dann sicherlich belegen, dass gerade Kinder zwischen drei und sechs Jahren Geige, Japanisch und die Grundlagen der Betriebs- und Volkswirtschaft am besten lernen. Bis dahin muss natürlich die Schreib- und Lesebasis bereits gelegt sein. Und dann können wir unsere Hochbegabten sauber durchs G8 jagen. Kinder und Jugendliche mit ADHS, Depressionen, Burn-Out – da gibt’s doch bestimmt auch was von Ratiopharm. Aber warum das alles eigentlich? Dass wir irgendwann sagen können: „Kinder, das haben wir nur für Eure Zukunft getan“. Na die werden sich sauber bedanken.

Armes altes Grundgesetz, was haben wir aus Dir gemacht, einen substanzlosen und verstaubten Ladenhüter. Machs gut, ich werde Dich vermissen!

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6 Gedanken zu „Armes altes Grundgesetz – Die Würde des Menschen

  1. Deine Kritik des OBJEKT-Lestungs-ZWANG ist schön.
    Kurz zusammengefaßt: Du kritisierst den Industrie-Institutionalismus als
    “ArbeiterAusbeutung verschafft Ansehen”, oder? #happyPeace

    • Liebes K.G.B.,
      mit GG 1,1 wurde vom OBJEKT-Regel RömerRecht
      zum SUBJEKT-Recht, das auf der Asche von Auschwitz aufbaut, übergegangen.
      Falls Du Hebräisch & Talmud kannst, dann siehst Du, daß BGB und Talmud praktisch auf ähnliche Regeln hinauslaufen – aber das BGB nur von “GerichtsSachen” redet, denen die Menschen als Kläger/Beklagte sogar noch UNTERgeordnet sind!
      Insofern bräuchte es einen ganz neuen Zivil- und StrafRechtsAnsatz, der mE im Talmud schon da ist.
      Einzig das relativ neue VerwaltungsRecht hat mit der #Verhältnismäßigkeit eine InfrageStellung der Institutions-operationalen IndustrieIdeologie geschafft. Im VerwGerSys praktisch aber auch meist noch nicht,
      weil die RömerRechtler nicht nen RECHTsSTAAT, sondern einen RechtsWEGE(Lagerer)Staat wollen.
      MEHR MENSCHliche Kompetenz – und damit auch GANZheitliche Kommunikation & Einigung wie zB bei einem Rabbiner – wäre wichtig!
      Juristen sollten zuerst MENSCHENkenner sein, damit sie Leuten helfen, vor Gericht nicht nur zu lügen, was 80-95% der Verfahren deutlichst verkürzen und “JustizIrrtümer” vermeiden würde.

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